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Die australischen Goldrausch-Jahre — eine kurze Geschichte

Die australische Geschichte des 19. Jahrhunderts lässt sich kaum vom Gold trennen. Edward Hargraves' Fund bei Bathurst im Februar 1851 löste eine Kette von Goldrausch-Wellen aus, die die Bevölkerung der Kolonien in einem Jahrzehnt verdoppelte und das Selbstverständnis Australiens prägte — von der demokratischen Mythologie der Eureka Stockade bis zur dunkleren White-Australia-Politik.

Der Bathurst-Rausch 1851

Edward Hargraves, gerade aus Kalifornien zurückgekehrt, fand im Februar 1851 Gold bei Ophir nahe Bathurst. Binnen Wochen brach in Sydney der Sturm los; innerhalb von Monaten formalisierte die Regierung von New South Wales ein Lizenzsystem.

Victoria und Ballarat

Größere Vorkommen wurden 1851 in Ballarat, Bendigo, Castlemaine und am Mount Alexander gefunden. Victorias Bevölkerung wuchs zwischen 1851 und 1861 von 77.000 auf 540.000. Melbourne war kurzzeitig die reichste Stadt der Welt.

Die Eureka Stockade 1854

Der Widerstand gegen das Goldlizenz-System mündete am 3. Dezember 1854 in einen bewaffneten Aufstand in Ballarat. 22 Bergleute und 5 Soldaten starben. Die militärische Niederlage wurde zum demokratischen Gründungsmythos Australiens — und führte zur Abschaffung der Lizenz und zur Einführung eines Bergmannswahlrechts.

Chinesische Bergleute und die Lambing-Flat-Unruhen

1861 arbeiteten über 38.000 chinesische Bergleute auf den Feldern Victorias. Antichinesische Pogrome — am berüchtigtsten in Lambing Flat 1860/61 — und diskriminierende Kopfsteuern folgten. Hier wurden die Wurzeln der späteren White-Australia-Politik gelegt.

Die Methoden

Im ersten Jahrzehnt dominierte der alluviale Abbau. Ab Ende der 1850er Jahre folgten Tiefbergbau und „deep lead"-Förderung. Die kornischen Cousin Jacks brachten ihre Zinn-Technologie mit — darunter die Cornish Pump zur Wasserhaltung auf den Tieffeldern von Ballarat.

Westaustralien — Coolgardie und Kalgoorlie

Gold wurde 1892 in Coolgardie und 1893 in Kalgoorlie gefunden. Die „Golden Mile" von Kalgoorlie blieb ein Jahrhundert lang einer der reichsten Quadratkilometer der Erde. C. Y. O'Connors Wasserleitung von 1903 — 530 Kilometer durch die Wüste — ist eine ingenieurtechnische Großtat.

Die Aborigines

Die Aborigine-Gemeinschaften an den Goldfeldern wurden enteignet, oft gewaltsam. Die Kontroverse um die Coranderrk-Aborigine-Station in den 1860er Jahren ist ein Strang einer entstehenden Geschichte des Widerstands und Überlebens.

Erbe heute

Sovereign Hill in Ballarat ist eine vollständige Rekonstruktion einer Goldrausch-Stadt der 1850er Jahre und das meistbesuchte Industriedenkmal Australiens. Das Eureka Centre, die Central Deborah Gold Mine in Bendigo und der Super Pit von Kalgoorlie ergänzen den Bogen.

Literarisches Echo

Henry Lawson, Banjo Paterson und Marcus Clarke schrieben den australischen Goldrausch in die nationale Literatur ein. Egalitarismus, Kameradschaft („mateship") und demokratische Instinkte aus dieser Zeit gelten bis heute als Teil des australischen Selbstbildes.

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