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Die kornische Auswanderung — wie Cornwall seine Bergleute exportierte

Es gibt im 19. Jahrhundert kaum eine Bergbaufront der Welt, an der nicht kornische Männer arbeiteten. Wenn ein Schacht abgeteuft, eine Cornish Pump installiert oder ein neuer Erzgang verfolgt werden musste, schickten die Goldfeld-Eigentümer einen Cornishman — den „Cousin Jack". Dieses Phänomen ist nicht zufällig: Es ist die Schattenseite eines historischen Zusammenbruchs in Cornwall.

Die kornische Krise

Der kornische Zinnbergbau erreichte um 1860 seinen Höhepunkt. Fallende Zinnpreise, Mechanisierung und ausländischer Wettbewerb zerbrachen die Industrie zwischen 1866 und 1900. Ganze Dörfer wanderten en bloc aus.

Warum gerade kornische Bergleute?

Über Jahrhunderte galt die kornische Hartgestein-Bergbautechnik als die fortgeschrittenste der Welt. Die „Cornish Pump"-Balanciermaschine zur Wasserhaltung, die „Cornish Square Sets" als Ausbauverfahren, der frühe Einsatz von Dynamit — alles wurde von Cornwall in die globalen Goldfelder exportiert.

Wisconsin und Iowa

Die erste große Auswanderungswelle ging in den 1830er und 1840er Jahren in die Bleireviere von Südwest-Wisconsin und Iowa. Mineral Point in Wisconsin bewahrt kornische Steinhäuser; eine Reihe restaurierter „Pendarvis"-Cottages dokumentiert das tägliche Leben.

Kalifornien und Nevada

Der kalifornische Goldrausch und die Silberrausche Nevadas (Comstock Lode, 1859) zogen große kornische Belegschaften an. Grass Valley in Kalifornien blieb noch ins 20. Jahrhundert zu sechzig Prozent kornisch geprägt.

Michigans Kupferland

Calumet und Hancock auf der Keweenaw-Halbinsel zogen ab den 1840er Jahren Tausende von Cornishmen an. Das Calumet Theatre, italienische Steinmetzkirchen und die Quincy Mine spiegeln kornisches Kapital und kornische Arbeit.

Australische Goldfelder

Ballarat, Bendigo und Moonta in Südaustralien hatten große kornische Bevölkerungsanteile. Moonta und Burra in Südaustralien bildeten gemeinsam ab den 1860er Jahren „Little Cornwall". Das jährliche Kernewek-Lowender-Festival pflegt die Tradition bis heute.

Witwatersrand und die Phthisis-Tragödie

Ab den späten 1880er Jahren brachten kornische Bergleute ihre Erfahrung an den südafrikanischen Rand. Die Lungenentzündungs-Epidemien in den Bergmanns-Compounds dezimierten die kornischen Belegschaften — Todesraten von 30 Prozent jährlich. Die Phthisis-Tragödie 1903 erschütterte ganz Cornwall.

Mexiko und Peru

Real del Monte in Hidalgo, Mexiko, wurde in den 1820er Jahren zur kornischen Enklave. Cornish Pasties — als „Paste" — sind dort bis heute Stadtspezialität. Auch peruanische und bolivianische Minen rekrutierten kornische Steiger.

Erbe heute

Die „Cornwall and West Devon Mining Landscape" wurde 2006 zum UNESCO-Welterbe erklärt — die Inschrift umfasst ausdrücklich auch die kulturellen Erbestandorte im Ausland. Die kornische Diaspora ist heute britisch staatlich anerkannt.

Auf der Karte erkunden

Die kornischen Heimatorte und die weltweiten Cousin-Jack-Stationen finden Sie auf der interaktiven Karte, mit Öffnungszeiten und Hinweisen zur Barrierefreiheit.