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Vom Bergwerk zur Heilstätte — Minen als Thermal- und Asthmakurorte

Ein altes Bergwerk hat oft Eigenschaften, die andere Bauten nicht besitzen: konstante Lufttemperatur, gefilterte Atmosphäre, in vielen Fällen heilsam wirkende Mineralluft oder thermal warmes Tiefenwasser. So entstanden im Lauf des 20. Jahrhunderts auf alten Schächten Sanatorien, Inhalationskliniken und Thermalbäder — manche von Weltrang.

Wieliczka „Health Resort Kinga", Polen

In 135 Meter Tiefe in den Salzgalerien betreibt der Komplex von Wieliczka eines der wichtigsten Atemwegssanatorien Europas. Patienten mit Asthma, Allergien und chronischer Bronchitis verbringen mehrere Stunden täglich in den unterirdischen Hallen.

Bochnia, Polen

Älter als Wieliczka und ähnlich konzipiert: Das Salzbergwerk Bochnia bietet sowohl Tagesbesuche als auch Übernachtungen in unterirdischen Schlafsälen, in denen Patienten in 250 Meter Tiefe auf Liegen schlafen — eine ungewöhnliche, aber medizinisch dokumentierte Therapie.

Salina Praid, Rumänien

Im transsilvanischen Hochland liegt das Sanatorium von Praid in 120 Meter Tiefe in einem riesigen unterirdischen Saal. Asthma-Behandlungen werden hier seit Jahrzehnten angeboten, und der Ort ist auch ein beliebtes Familienziel.

Khewra, Pakistan

Im Salzbergwerk Khewra in der Provinz Punjab gibt es eine Asthma-Klinik in rosa Halitkammern. Der Ort verbindet Industriegeschichte mit der Religion: Die unterirdische Moschee zieht Pilger ebenso an wie Patienten.

Bad Schlema, Deutschland

Die Wismut-Uranlagerstätten im Erzgebirge sind heute weitgehend rekultiviert. Bad Schlema überlebt jedoch als Radon-Heilbad. Radon — paradoxerweise ein radioaktives Gas — wurde im frühen 20. Jahrhundert als therapeutisch eingestuft; die Therapie ist umstritten, aber legal.

Jáchymov, Tschechien

Die ursprüngliche Radium-Bäderstadt der Welt entstand auf den böhmischen Uranlagerstätten. Madame Curie verwendete Jáchymover Pechblende für ihre Forschung, das daraus gewonnene Radon-Wasser nährt bis heute die örtlichen Heilbadehäuser.

Wettenberg-Heilstollen, Bayern

Im bayerischen Donauwörth-Wettenberg betreibt ein kleinerer Heilstollen Radon-Therapie für Patienten mit rheumatischen Beschwerden. Der Stollen liegt in einem ehemaligen Bergwerk und ist ganzjährig zugänglich.

Khewra-Moschee-Kammern, Pakistan

Eine Besonderheit von Khewra: Die kleine unterirdische Moschee aus rosa Salzziegeln ist ein religiöser Anziehungspunkt — und die Atemwegspatienten teilen sich die Kammern mit Pilgergruppen.

Sulfur Springs bei Tabernas, Andalusien

In der ariden Landschaft Almerías gibt es seit Generationen schwefelhaltige Quellen, die bergbaulich erschlossen wurden. Das kleine Heilbad pflegt eine andalusische Tradition rheumatischer Schwefelbäder.

Hinweise zum Besuch

Heilstollen-Therapien benötigen häufig eine ärztliche Indikation und mehrere Sitzungen über einige Wochen. Wer mit Atemwegserkrankungen reist, sollte vorab klären, ob eine medizinische Anweisung möglich ist — viele Anlagen kooperieren mit Krankenkassen.

Auf der Karte erkunden

Alle hier genannten Anlagen sind auf der interaktiven Karte verzeichnet.